Was sind Risikofaktoren?

Es gibt selten den einen Grund dafür, warum eine Sucht entsteht. In den allermeisten Fällen spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Bei der Mediensucht ist das ganz genauso. Du kannst dir das wie drei Faktoren vorstellen, die zusammenspielen:

Wir nennen das TRIAS-Modell oder auch Suchtdreieck:

TRIAS-Modell

Du siehst also, dass die Entwicklung einer Mediensucht eine komplexe Sache ist. Es wäre daher falsch, übermäßigen Medienkonsum auf eine bestimmte Ursache zu schieben oder die „Schuld“ nur bei einem Faktor zu suchen. Meistens ist es nämlich eine Kombination von mehreren dieser Faktoren.

Selbst wenn deine Mediennutzung (noch) nicht die Anzeichen einer Sucht aufweist, ist es sinnvoll, sich mit den Risikofaktoren vertraut zu machen. So kannst du mögliche Gefahren frühzeitig erkennen und der Entwicklung eines problematischen Medienkonsum entgegenwirken.

Beispiele für Risikofaktoren

Umfeld

  1. Es spielt eine Rolle, wie viel Zeit die Menschen um dich herum mit digitalen Medien verbringen. Wenn deine Eltern oder deine Freundinnen und Freunde häufig digitale Medien nutzen, kann es sein, dass du das unbewusst oder bewusst ebenfalls tust.
  2. Streits und Konflikte können, dazu führen, dass du dich mehr auf den digitalen Medien zurückziehst. Manche Kinder und Jugendliche nutzen Social Media oder Games dann, um sich von Konflikten im realen Leben abzulenken.
  3. Auch Regeln sind wichtig. Wenn es keine festen Zeiten oder Absprachen zur Mediennutzung gibt, kann es schwerer werden, rechtzeitig aufzuhören. So kann sich langsam eine ungesunde Gewohnheit entwickeln.
  4. Die gesamte Gesellschaft: digitale Medien werden heutzutage beinahe überall genutzt, sei es zum Schreiben mit Freund:innen, für die Schule, im Sportverein oder zum Anschauen von Nachrichten. Dadurch wird es immer normaler, viel Zeit mit Medien zu verbringen und deshalb schwieriger, sich von ihnen zu lösen.

Mensch

Zuerst einmal fällt es jüngeren Kindern oft noch schwerer, sich selbst Grenzen zu setzen oder rechtzeitig aufzuhören. Das ist ganz normal, weil Selbstkontrolle erst mit der Zeit gelernt wird und sich Erfahrung mit digitalen Medien außerdem erst über die Zeit entwickelt.

Unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale können außerdem eine Rolle spielen. Dabei sind vor allem zwei Merkmale der Big Five der Persönlichkeitsmerkmale interessant:erstens höherer Neurotizismus (emotionale Instabilität), also ob du dir schnell Sorgen machst, dich traurig oder gestresst fühlst, und niedrigere Gewissenhaftigkeit, also ob du eher unorganisiert bist und ob es dir schwerer fällt, dich an Pläne zu halten. Außerdem kann eine Tendenz zum Sensation Seeking eine Rolle spielen. Das bedeutet, dass du besonders viel Abwechslung und Spannung suchst. Dann kann es dir schwerer fallen, rechtzeitig aufzuhören, wenn etwas Spaß macht.

Auch der Umgang mit Gefühlen ist wichtig. Manche Menschen werden schneller wütend, traurig oder frustriert und finden es schwer, sich wieder zu beruhigen. Digitale Medien können dann wie eine schnelle Ablenkung wirken. Wer außerdem eher impulsiv handelt, greift manchmal automatisch zum Handy, ohne lange darüber nachzudenken. Dann fällt es oft auch schwerer, wieder aufzuhören.

Zuletzt können auch Schwierigkeiten im sozialen Miteinander können eine Rolle spielen. Wenn es dir schwerfällt, Freundschaften zu schließen, du sehr schüchtern bist oder Angst vor Ablehnung hast, können digitale Medien wie ein sicherer Rückzugsort wirken.

Mittel

Je einfacher digitale Medien verfügbar sind, desto schwieriger kann es werden, Pausen zu machen. Weil Smartphones fast immer dabei sind, kann man jederzeit online gehen: zu Hause, unterwegs oder sogar nachts. Deshalb ist es wichtig, Regeln zur Nutzung mit digitalen Medien zu haben.

Moderne digitale Medien wie TikTok, Online Games oder Instagram sind außerdem oft ganz bewusst so entwickelt, damit wir möglichst viel Zeit mit ihnen verbringen. Sie enthalten belohnende Elemente wie Likes oder Kommentare, die dich gut fühlen lassen. Außerdem sind sie oft auf Unendlichkeit ausgelegt: egal, wie weit du scrollst, du wirst immer weitere interessante Inhalte vorgeschlagen bekommen. Dies ist kein Zufall, sondern liegt daran, dass App-Entwickler:innen möchten, dass du ihre Produkte mehr nutzt. Solche Tricks und Designs nennt man auch Dark Patterns.

Detaillierte Infos zu suchtfördernden Eigenschaften von Games, Social Media und Online-Videos findest du hier: [Link]